Sicherheit und Heilung

Schwarze Henna-Tattoos im Urlaub: was du vorher wissen solltest.

Henna-Bemalungen gehören in vielen Urlaubsorten zum Straßenbild. Bevor du dir eine machen lässt – in der Türkei oder anderswo –, lies, was Gesundheitsbehörden über sehr dunkles „schwarzes Henna“ sagen und warum eine Reaktion auch lange nach der Reise noch eine Rolle spielen kann.

Kurz gesagt

Ein „Henna-Tattoo“ ist eine Bemalung der Haut, kein Tattoo. Sehr dunkles „schwarzes Henna“ wird oft mit p-Phenylendiamin (PPD) nachgedunkelt, einem Haarfärbestoff und bekannten Kontaktallergen. In der EU darf PPD nur in Haarfärbemitteln verwendet werden und ist in Henna-Tattoos verboten; in den USA erlaubt die FDA es nicht in Kosmetika, die für die Haut bestimmt sind. Eine Reaktion kann erst Tage später auftreten, und danach kannst du erneut auf PPD reagieren, auch in Haarfärbemitteln. Ob eine Paste PPD enthält, siehst du ihr meist nicht an, und im Urlaub erfährst du es selten – deshalb raten Gesundheitsbehörden, auf Henna-Tattoos zu verzichten.

Henna und „schwarzes Henna“

Henna ist ein Pflanzenfarbstoff. Pur färbt es die Haut braun, orangebraun oder rotbraun – eine Paste, die die Haut sehr dunkel oder schwarz färbt, enthält also einen Zusatz. Laut der US-Behörde FDA ist das häufig ein Haarfärbemittel mit PPD. Doch auch Braun ist keine Garantie: Die FDA weist darauf hin, dass selbst braune Farbtöne, die als Henna verkauft werden, weitere Zusätze enthalten können, die sie dunkler machen oder die Färbung länger halten lassen.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt klar, dass Henna-„Tattoos“ gar keine Tattoos sind, sondern eine Form der Körperbemalung: Die Farbe wird aufgemalt und reagiert nur in der obersten Hautschicht. Für Henna-Bemalungen gelten zudem andere Vorschriften als für Tätowiermittel.

Warum PPD das Problem ist

PPD ist ein bekanntes Kontaktallergen, das starke allergische Reaktionen auslösen kann. In der EU ist seine Verwendung in Henna-Tattoos nach der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 verboten; PPD darf nur in Haarfärbemitteln eingesetzt werden. In den USA erlaubt die FDA PPD nicht in Kosmetika, die für die Haut bestimmt sind, und ihr liegen Meldungen über Hautschäden durch Produkte vor, die als Henna und als „schwarzes Henna“ verkauft wurden.

Und wie das BfR betont: Ob eine Körperbemalung PPD enthält, siehst du ihr nicht an.

Wie eine Reaktion aussieht – und wann sie auftritt

Eine Reaktion zeigt sich nicht immer sofort: Starke Reaktionen treten oft erst nach Tagen auf. Fotos, die die FDA veröffentlicht hat, zeigen Rötungen und Knötchen, die den Linien des Motivs folgen. Reagiert deine Haut auf eine Henna-Bemalung, geh zum Arzt und erwähne dort das Henna.

Nach einer Reaktion: Haarfärbemittel und PPD

Der britische Gesundheitsdienst NHS weist darauf hin, dass ein schwarzes Henna-Tattoo die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, auf Haarfärbemittel zu reagieren, und rät, Produkte mit PPD zu meiden – vor allem, wenn du schon einmal auf Haarfarbe oder schwarzes Henna reagiert hast. Das BfR warnt: Wer einmal gegen PPD sensibilisiert ist, kann ein Leben lang dagegen allergisch bleiben – was auch bei manchen dunklen Textilien und Lederwaren eine Rolle spielt.

Hattest du eine Reaktion, kann dich dein Arzt für einen Epikutantest (Pflastertest) an einen Hautarzt überweisen; der Test zeigt, auf welche Stoffe du allergisch bist.

Kinder und Familienurlaub

Auf Festivals und Straßenmärkten lässt sich kaum prüfen, was in einer Paste steckt. Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bringt es auf den Punkt: Wer Zweifel hat, ob die Farben frei von PPD sind, verzichtet besser darauf. Das österreichische Portal Verbrauchergesundheit rät von Henna-Tattoos ab, weil du im Urlaub selten erfährst, ob PPD beigemischt wurde. Es empfiehlt außerdem, mit Kindern über die Risiken zu sprechen und selbst mit gutem Beispiel voranzugehen – es gibt andere Urlaubsandenken, die genauso viel Spaß machen.

Henna ist kein Probelauf für ein echtes Tattoo

Henna färbt nur die Oberfläche der Haut. Es zeigt dir also nicht, wie ein dauerhaftes Tattoo aussehen wird – und bei schwarzem Henna ist schon der Test selbst ein Risiko. Wenn du ein Motiv auf deinem Körper sehen möchtest, bevor du dich festlegst, fang mit einer Beratung an: Wo es sinnvoll ist, kann das Studio eine Platzierungsvorschau erstellen.

Tattoo Ink Side ist ein Tattoo- und Piercingstudio. Wenn du schon einmal auf schwarzes Henna, Haarfärbemittel oder etwas anderes auf deiner Haut reagiert hast, sag dem Studio Bescheid, bevor du dein Tattoo planst. Welche Fragen sich zu dauerhafter Tattoofarbe und Hygiene lohnen, erfährst du unter Sicherheit von Tattoofarben und Ein sicheres Tattoostudio finden.

Fragen und Antworten

Woran erkenne ich, ob Henna PPD enthält?

Mit bloßem Auge meist gar nicht. In der EU muss das Etikett eines kosmetischen Mittels die Bestandteile mit ihren internationalen Bezeichnungen (INCI) auflisten – Farbstoffe meist als Colour-Index-Nummern (CI) – und eine verantwortliche Person in der EU nennen. Bei einer Bemalung am Stand gibt es aber selten ein Etikett, das du prüfen kannst. Wenn du dir nicht sicher sein kannst, verzichte darauf.

Ich habe auf schwarzes Henna reagiert. Kann ich mir trotzdem ein echtes Tattoo stechen lassen?

Sprich zuerst mit deinem Arzt: Er kann dir erklären, was deine Reaktion für dich bedeutet, und dich bei Bedarf für einen Epikutantest (Pflastertest) an einen Hautarzt überweisen. Sag es danach dem Studio, bevor du irgendetwas planst, damit es berücksichtigt werden kann.

Allgemeine Informationen, keine medizinische Beratung. Die Anweisungen deines Tätowierers haben Vorrang; bei allem, was dir Sorgen macht, geh zum Arzt.

Quellen

  1. US FDA – Temporäre Tattoos, Henna/Mehndi und „schwarzes Henna“: Faktenblatt (Oktober 2024, englisch)
  2. NHS – Reaktionen auf Haarfärbemittel (Stand: Dezember 2025, englisch)
  3. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) – Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln (Mai 2025)
  4. BfR – BfR warnt erneut vor Henna-Tattoos (Presseinformation, Juli 2007)
  5. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV, Schweiz) – Piercing und Tattoo (April 2026)
  6. Główny Inspektorat Sanitarny (Oberste Sanitätsinspektion Polens) – Tatuaż z henny – przeczytaj etykietę (Henna-Tattoos: das Etikett lesen, Juli 2024, polnisch)
  7. Verbrauchergesundheit (öffentliches Gesundheitsportal Österreichs) – Henna

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